Die Kirche von Durben

Die Kirche von Durben

Als im 14.Jahrhundert in Durbe die Burg erbaut wurde, gab es darin eine Kapelle. Im 15.Jahrhundert wird eine Kirche außerhalb der Burg gebaut. Es ist bekannt, dass es 1451 in Durbe eine Kirche gegeben hat, weil das Rigaer Dommuseum eine Glocke mit dieser Jahreszahl beherbergt hat.  1496 wird ein katholischer Priester erwähnt. 1525 wird das Pastorat gegründet. Mit dem Beschluss des kurländischen Landtags wurde der Bau einer neuen Kirche begründet, der Bau erfolgte mit herzöglichen Mitteln und wurde mit Mitteln der Gemeinde abgeschlossen. Am 28.Februar 1651wurde die Kirche vom Pastor Hermann Toppius eingeweiht, der gleichzeitig Probst von Grobin war. Die Kirchenträger waren die Besitzer der umliegenden Güter.

Kronleuchter aus dem Jahr 1609

In der Kirche von Durbe kann man die Kanzel und den Altar mit Holzschnitzereien aus dem 18.Jahrhundert sehen, einen Kronleuchter aus dem Jahr 1609 und ein historisches Taufbecken. Die Orgel ist 1834 gebaut, der Umbau erfolgte 1874. Im Turm sind zwei 1896 gegossene Glocken. 1903 wurde die Turmuhr eingebaut, die bis 1922 funktionierte und 1935 repariert wurde. Zum Teil ist auch der alte Kachelboden erhalten geblieben.

1770  wurde der Kirchturm vollendet. Die Kirche ist mehrmals erweitert und renoviert worden: 1847., 1872. und 1908. Im 19.Jahrhundert verlor die Kirche den anfänglich schlanken Turm. Der Altarhimmel wurde zugemauert, als die Kirche verlängert wurde.

An der Wand neben der Kanzel ist eine Gedenktafel aus Marmor, gewidmet den gefallenen Gemeindemitgliedern, die 1919 für die Unabhängigkeit Lettlands gekämpft haben.

1872 wurde die Mauer um die Kirche errichtet. An der Kirche ist ein alter Friedhof gewesen, einige Gräber sind noch erhalten. Hier ist auch das Grab des Pastors Edmund Proctor (1815 – 1865). In seiner Familie war Atis Kronvalds Hauslehrer.

In alten Zeiten erstreckte sich das Kirchspiel von Durben über ein großes Gebiet von Hasenpoth bis zur litauischen Grenze. Seit 1573 gibt es einen deutschen und einen lettischen Pastor, aber 1857 wird die Gemeinde geteilt: Süddurben und Norddurben. Zu Norddurben gehörte auch Ilmajen als Filialkirche, zu Süddurben – die St.Bartholomäuskirche Ilsen oder Funkenhof.  1857 wurde auch das Pastorat Süddurben aufgebaut, weil das alte Pastorat samt Archiv 1853 abgebrannt war.

Am Anfang des 20.Jahrhunderts hatte jede Gemeide um 6000 Mitglieder, Ende der zwanziger Jahre  – um 1000.

In der Zeit von 2003 bis 2005 wurden das Turmdach und das Hauptdach mit Unterstützung der Vereinigten Kurländischen Stiftungen (Deutschland), der Familie von Bordelius und der Thomas-Gemeinde Erfurt erneuert.

Pastoren

Norddurben

 

Johann Dimler 1557 – 99

Heinrich Arends II 1599 – 1630

Adam Petzold (Betsoldus) II  1634 – 36

Jakobus Lutter  … – 1639

Mag. Hermann Toppius  1642 – 55

Mag. Joachim Kühn 1656 – 59

Herbert Ulrici 1660 – 64

Johann Brockhusen I  1669 -82

Jakob Meuter 1687 – 1712

Dietrich Stavenhagen 1713 – 50

Adjunkt: Joachim Baumann 1745 – 47

Mag.Johann Wilhelm Hänselin 1752 – 66

Adjunkt: Paul Friedrich Reimer 1764 – 66

Paul Friedrich Reimer 1766 – 69

Johann Christoph Baumbach 1770 – 1801

Dr.Karl Christoph Schön 1802 – 55

Karl Heinrich Edmund Proktor 1856 – 65

August Friedrich von Johannsohn 1866 -1903

Adjunkt: Oswald v.Johannsohn 1890 – 91

August v. Johannsohn 1898 -1903

Christian Dexne 1904 – 1935

 

Süddurben

Mathias Neukirch 1581

Jeremias Hessing  1609 – 11

Friedrich … 1624

Adam Petzold (Betsoldus) II 1624 – 30

Johann Denniger  1634

Johann Petzold 1635 – 39

Adam Prätorius 1639 – 48

Wilhelm Reimer 1648 -1703

Johann Friedrich Rhanäus 1708 – … 1715

(Bis 1742 bediente der deutsche Pastor auch die lettische Gemeinde.)

Johann Christoph Stavenhagen 1742 – 79

Adjunkt: Johann Bernhard Wolter 1770 – 79

Johann Bernhard Wolter 1779 – 1809

Adjunkt: Johann Friedrich Runtzler 1801 – 9

Johann Friedrich Runtzler 1822 – 44

Otto Bernhard Friedrich Runtzler 1822 – 44

Ernst Ludwig August Bernewitz , Past. Designatus 1845

Dr. Hermann Ehrenfest Katterfeld 1846 – 76

August Edmund Proctor 1877 – 1904

Robert Christoph Seezen 1905 – 1934

 

Seit 1934/35 sind an der Kirche Durben lettische Pastoren: Teodors Aviks, Pēteris Auseklis Laiviņš, Jūlijs Martinsons  (von 1938 bis 1982), Pēteris Mednis. Ihre Nachfolger waren Juris Rubenis, Raivo Bitenieks, Ainars Jaunskalže, Atis Voickovskis, Juris Simakins, Jānis Pauļiks, Pēteris Kalks und zur Zeit –  Gints Kronbergs.

 

Der Beitrag der deutschen Pastoren von Durben zur lettischen Kulturgeschichte

Joachim Baumann (1712 -1759)

war bekannt als Dichter und Übersetzer geistiger Lieder, hat 1754 ein verbessertes kurländisches Liederbuch herausgegeben. In seiner Durbener Zeit hat er ein verbessertes Predigtenbuch Manzels herausgegeben.

Johann Christoph Baumbach (1742-1801)

Verfasser und Übersetzer geistiger Lieder mit hervorragenden Lettischkenntnissen. Er hat für das erste Magazin  in lettischer Sprache (Herausgeber Stobbe) geschrieben. 1800 erschienen seine Bibelgeschichten „Mazā Bībele”,wo er in einer für die Bauern verständlicher Sprache die Geschichten des Alten und Neuen Testaments nacherzählt, Belehrungen und kleine Gedichte hinzufügt. Er hat auch an einem lettisch- deutschen Wörterbuch gearbeitet, das allerdings als Handschrift geblieben ist.

Dr. Hermann Ehrenfest Katterfeld(1797 – 1876)

interessierte sich für lettische Folklore und Sprache, sammelte Pflanzennamen und lettische Volkslieder. 1835 schrieb er einen bedeutenden Beitrag über das lettische Volkslied. Er schrieb für das „Magazin der Lettisch-literarischen Gesellschaft”  sowie auch für lettische Zeitungen und verfasste geistige Lieder. Katterfeld war auch Pflegevater für Atis Kronvalds und Förderer seiner Bildung.

Johann Christoph Wolter

wurde  1773 in der Familie des durbenschen Pastors Johann Bernhard Wolter geboren und hat dort seine erste Bildung genossen. Sein Leben ist mit Zierau verbunden, wo er Pastor war. Er hat Verdienste als Förderer der Bildung in seiner Gemeinde und in ganz Kurland. Er hat den ersten gründlich ausgebildeten Lehrer Kurlands Andrej Bergmann vorbereitet. Er war beteiligt an der Gründung des Irmlauschen Lehrerseminars.

Dr. Karl Christoph Schön (1775 – 1855)

diente als Pastor 50 Jahre, sein ganzes Leben lang befasste er sich mit dem Studium der Naturwissenschaften, seine Bibliothek war eine der größten Privatbibliotheken Kurlands.

 Christian Dexne und Robert Seezen

die letzten deutschen Pastoren, die 1939 Lettland verlassen haben und in Deutschland gestorben sind. Sie haben Erinnerungen über ihre Tätigkeit und Leben in Durben am Anfang des 20.Jahrhunderts  geschrieben, die interessante Zeitzeugnisse enthalten.

Der Gärtner von Durben Sīmanis Klēvers (Simon Klewers)

Sīmanis Klēvers ist 1834 in Kalleten geboren. Nach dem Besuch der Gramsdenschen Kirchenschule lernt er die Gärtnerei am Gut Kalleten. 1855 geht er nach Riga, wo er bei dem Gärtner Schreiber tiefgründige Kenntnisse in der Gärtnerei erwirbt. Als er wieder nach Kalleten zurückkehrt, schreibt er ein Buch über Gemüseanbau „Mazais sakņu dārznieks”. Dann geht er nach Rutzau und 1877 erwirbt er ein Grundstück in Durben. Er legt einen Obstgarten  mit Baumschule an. Mit seinen Apfel- und Birnensorten nimmt er an der landwirtschaftlichen Ausstellung Kurlands in Mitau teil und bekommt eine Silbermedaille. Inzwischen schreibt er noch zwei Bücher über den Obstgarten. 1893, als Durben das Stadtrecht bekommt, wird er zum Stadtältesten gewählt. 1912 schreibt er noch ein Buch über den Anbau exotischer Pflanzen, Champignons, die Anlegung der Ziergärten und beschreibt Waldpilze. 1922 ist er gestorben und auf dem Priediena-Friedhof beerdigt. An seinem Haus Raiņa iela 36 wurde 1997 eine Gedenktafel enthüllt.

Durben verdankt ihre vielen Obstgärten der Tätigkeit von Klēvers. Als in den zwanziger Jahren das Stadtwappen entworfen wurde, wählte man einen Apfelbaum mit sieben Äpfeln als Symbol der Stadt – für jeden Wochentag eine Apfel.

Atis Kronvalds

Atis Kronvalds

Im Taufschein, ausgestellt vom Pastor Katterfeld, kann man lesen, dass am 3.(15.)April 1837 im Hof Miķi der Gemeinde Krothen der Sohn Otto (Atis) des Schneiders Christoph Kronwald und seiner Frau Margarete geboren wurde. Getauft vom lettischen Pastor Runtzler. Taufpaten Junge Otto Lilienthal, die Frau des Knechtes Jule Norenberg, Mädchen Bille Stahl. Der Hof Miķi gehörte zum Kirchspiel Durben.

Der Wohnsitz der Eltern von Kronwalds war nicht beständig. Der Vater sparte Geld und wurde Viehpächter auf einem Beigut. In der Verwandschaft und im Freundeskreis von Kronwalds Eltern waren sogenannte Landdeutsche  (Kleindeutsche) – deutsche Handwerker oder eingedeutschte Letten. Der Pastor Katterfeld, ein Freund der Letten, wollte auch diesen deutschen Bevölkerungsteil unterstützen. Er überredete die Eltern Kronwalds, ihren Sohn Otto in die Springersche Schule zu schicken und verpflichtete sich, ihn als Pflegesohn und Spielgefährten seiner Kinder in sein Haus aufzunehmen.

Im Alter von 13 Jahren kam Otto ins Pastorat, in andere Verhältnisse und Gesellschaft. Er sah in der Gesellschaft zwei Gruppen – Deutsche und Letten. Die Deutschen waren eine höhere Schicht, waren reicher, haben wichtige Ämter bekleidet und entschieden die Schicksäle dieses Landes. Er hatte beobachtet, dass die Menschen der niederen Schicht, reicher geworden und zur Bildung  gelangt, zu Deutschen wurden. In der Familie des Pastors vervollkomnete er sein Deutsch, lernte feine Manieren und hielt sich für einen jungen Deutschen. Der Pastor Katterfeld hatte zum Unterschied von den Deutschen des Baltikums keine Vorurteile den Letten gegenüber, trotzdem glaubte er nicht an eine breitere Entwicklung der lettischen Kultur. Seine Ansicht war, ein gebildeter Lette soll wie ein Deutscher sein.  Otto akzeptierte diese Ansichten und erst im späteren Leben wandte er sich davon ab. Seinen Pflegevater achtete er jedoch als Menschen und Freund der Letten  und vergaß sein Leben lang nicht.

Als Otto das Alter von 16 Jahren erreichte, konfirmierte der Pastor Katterfeld  ihn zusammen mit anderen deutschen Jungen und Mädchen und schickte in die höhere Kreisschule nach Libau. Diese Schule war für die Kinder der höheren Kreise Kurlands. Am Anfang war er der beste Schüler in seiner Klasse, bald aber begeisterte er sich fürs Lesen, hatte andere Interessen außerhalb der Schule, wurde kritisch gegenüber den Unterrichtsmethoden. Er konnte die Schule nicht abschließen und musste selbständig werden. Er nahm die Hauslehrerstelle in der Familie des Arztes Pfeffer an, in Darbenen in Litauen, nicht weit von der kurländischen Grenze. Später ging er zusammen mit dem Sohn des Arztes nach Berlin und besuchte ein Semester lang Vorlesungen an der medizinischen Fakultät. Die Berliner Zeit hatte eine große Bedeutung für sein weiteres Leben: er hörte Vorlesungen berühmter Wissenschaftler, traf sich mit deutschen Studenten und nahm an ihren Diskussionen teil, lernte nationale Bestrebungen des deutschen Volkes kennen und dadurch verstand er besser das Schicksal des lettischen Volkes.

 

 

Ohne Mittel kehrte Kronvalds aus Berlin zurück und kam in Durben an. Diesmal wurde er Hauslehrer in der Familie des norddurbenschen Pastors Proktor. Hier vergingen vier Jahre, seine freie Zeit widmete er dem Studium der Sprachwissenschaft, Pädagogik und Naturwissenschaften. Kronvalds war ein geselliger Mensch und nahm bald Kontakte mit anderen Lehrern aus der Umgebung auf. Seine Beobachtungen in Deutschland haben ihn gelehrt, dass die Lehrer keine Einzelgänger in ihrer Arbeit bleiben dürfen. Schon bald veranstaltete er kleine Konferenzen mit 6 – 12 Lehrern aus der Umgebung. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem durbenschen Lehrer Schäfer, beide diskutierten oft über Fragen der Pädagogik und Psychologie. In seinen Erinnerungen betonte der Lehrer Blum aus Dubenalken die besondere Fähigkeit von Kronwalds, andere um sich zu versammeln.  Seine Berliner Beobachtungen ließen ihn auch an die nationale Frage zu denken. Seine Erkenntnis war, dass eine wahre Bildung am besten in der Muttersprache zu erlangen ist. Er begann ein ernstes Studium der lettischen Sprache anhand von Grammatiken und Wörterbüchern und stellte bald fest, dass viele Begriffe kein lettisches Wort hatten. In der Zeit in Durben bildete er, leitete ab und belebte viele Wörter in der lettischen Sprache. Der Pastor Proktor begann auch die von Kronvalds gebildeten Wörter in seinen Predigten zu gebrauchen, zum Beispiel līdzeklis (Mittel). Auch in den Lehrerkonferenzen, die am Anfang in Deutsch stattfanden, ging man aufs Lettische über.

In dieser Zeit begann auch seine schriftstellerische Tätigkeit. 1863 erschien ein kleines Lehrbuch für Deutsch „Mazā vācieša pirmais solis”, 1865 – die Fortsetzung. Kronvalds verstand, dass in der damaligen Zeit Deutschkenntnisse notwendig waren, um sich aus der bäuerlichen Mitte herauszubrechen und zur höheren Bildung zu gelangen. Er ermahnt jedoch im Vorwort die Letten, dass man zuerst die eigene Muttersprache gut beherrschen muss. Im Buch sind auch Dankesworte an seinen Pflegevater Katterfeld, als Förderer wahrer Bildung.

Kronwalds stand im Briefwechsel mit gebildeten deutschen Männern in Mitau und Riga, die sich für Freunde der Letten hielten, und lernte ihre Ansichten über die Möglichkeiten  eines lettischen Bildungsweges verstehen. Kronvalds war enttäuscht, und wir sehen, dass er in die Reihen der Jungletten kommt, seine Sympathien sind auf der Seite, die die Zeitung „Pēterburgas Avīzes” vertrat, in der auch Juris Alunāns, Krišjānis Valdemārs, Krišjānis Barons tätig waren.

Die Situation eines Hauslehrers war nicht beneidenswert, man war von den Einfällen der Arbeitsgeber abhängig, es gab keine Zukunftsperspektive. Kronvalds hatte sich heimlich mit der Tochter des Gramsdenschen Arztes Roloff verlobt, doch ein Hauslehrer hatte keine materielle Grundlage zur Heirat. 1865 verließ er Durben, um nach Dorpat zu gehen und die Pädagogikkurse an der Dorpater Universität zu besuchen. Es war in Aussicht gestellt, nach Abschluss der Kurse eine Lehrerstelle zu bekommen.

Am Morgen des 28.August nahm Kronvalds von seinen Eltern in Krothen Abschied und trat den Weg im Pferdegespann an. Die Eisenbahn gab es damals noch nicht. In seinem Reisegepäck waren drei Anzüge, 15 Hemden und in seiner Tasche waren 120 Rubel. Er erreichte Mitau, fuhr weiter nach Riga mit einem Schiffchen und von dort mit einem Postwagen über Wenden, Wolmar und Walk nach Dorpat. In Dorpat wohnte er neben einer Kirche mit Vorgarten, was ihn so sehr an Durben erinnerte.

Siegfried Anna Meyerowitz

Siegfried Anna Meyerowitz

1883 nimmt Chaim Meyerowitz itzin Durben seine Tätigkeit als Arzt auf. Der Arzt war in der Kleinstadt eine bedeutende Person und bewegte sich im Kreise der höheren

Gesellschaft – in den Häusern der deutschen Grafen und Barone. 1885 trat er zur lutherischen Kirche über, um Anna Fielhold uz heiraten. Er wird in der Dreifaltigkeitskirche in Libau von dem Grobinschen Probst von Johannsohn, gleichzeitig Pastor von Norddurben, getauft. Taufpaten Adolf von Bordelius und Arthur von Keyserling.

Ein weiteres Zeugnis von der Familie Meyerowitz in Durben ist der Eintrag im

Kirchenbuch von Noddurben im Dezember 1885. Wir lesen, dass Doktor Hermann Meyerowitz, Sohn des Kaufmanns Perez Meyerowitz, Mutter lebt, in die Ehe mit Anna Fielhold tritt, Tochter des Lehrers von Kabillen, Mutter gestorben. Der Doktor ist 30, seine Außerwählte 25 Jahre alt. Aufgerufen in der Kirche zu Durben am 1.,8. und 15.Dezember, getraut am 20.Dezember im Schloss Ligutten.

Am 9.Februar 1887 sind im Kirchenbuch zwei Ereignisse festgehalten. Erstens: am

24.Januar (5.Februar) um 2 Uhr morgens ist Siegfried Anna geboren. Getauft im Elternhaus. Taufpaten: Adolf von Bordelius, das Fräulein Ella von Bordelius, Graf Arthur von Keyserling aus Altenburg und der Baron von Leegen Nikolai von Grotthus. Zweitens:  die Eintragung über

den Tod der Frau des Doktors Anna Meyerowitz  am 4.(16.) Februar um 10 Uhr abends, geboren in Kabillen, 26 und einhalb Jahre alt, im Wochenbett.

Der Vater von Siegfried Anna Meyerowitz blieb noch  bis 1892 in Durben, erkrankte an einem Nervenleiden und lebte bis zum Tod in der Heilanstalt Tabor bei MItau. Siegfried Anna kam in die Familie des Bruders seiner Mutter in Kabillen.

In Durben wurde das Gedenken an Meyerowitz 1929 erörtert.  Wie die damaligen Zeitungen schreiben, sei die Frage bei der Kreisleitung erhoben. Folglich ist es eine staatliche Initiative gewesen, die Persönlichkeiten zu ehren, denen man die Unabhängigkeit des Staates verdanken konnte. Am Krankenhaus, dem ehemaligen Doktorat, wurde eine Gedenktafel enthüllt. Die Liepājas Straße (anfangs Mitauer Straße) wurde als Z.Meierovica iela umbenannt, auf dem Priediena-Friedhof wurde für Anna Meyerowitz ein beeindruckendes Grabmal errichtet. Der Sowjetmacht war der Name Meyerowitz nicht annehmbar, deshalb wurde die Z.Meierovica iela Raiņa iela umbenannt, die Gedenktafel wurde entfernt und das Grabmal der Mutter wurde nicht gepflegt.

In den 90ger Jahren wurde die Gedenktafel erneuert und das Grab der Mutter wird wieder gepflegt. Gunārs Meierovics, der Sohn von Siegfied Anna hat Durbe besucht. 2007 erschien das Buch von Rihards Treijs, ein Jahr später fand im Kulturhaus eine Veranstaltung zu Ehren des ersten Außenministers statt, woran der Buchautor und Ingrīda Meierovica, die Witwe von Gunārs Meierovics, teil nahmen.

Durbes muzejs (Museum der Stadt Durbe)

Raiņa iela 17, Durbe, LV-3440;

Leiter: Reinis Bahs

Stadtführung in Deutsch mit Besichtigung des Museums und der Kirche

muzejs@durbe.lv;

tel.28677141

Ein Rundgang durch Durbe

der Burgberg (Durbes pilskalns)

Auf dem Weg von Riga nach Liepāja oder umgekehrt fährt man gewöhnlich an Durbe vorbei. Wenn Sie aber ein wenig Zeit haben, nutzen Sie die Gelegenheit und lernen Sie die kleinste Stadt Lettlands kennen! Große Ereignisse in der Geschichte und berühmte Persönlichkeiten sind mit dem Namen Durbe verbunden.

Von der Straße Riga – Liepaja  fällt der Burgberg (Durbes pilskalns) mit der Ruine der deutschen Ordensburg auf. Die Burg ist im 14.Jahrhundert erbaut worden, ein schlichtes, rechteckiges Gebäude mit Kellern auf der Nordseite des Burgbergs. Der Hof war von einer hohen Mauer umgeben, von der ein Teil auf der Südseite noch steht. Schon vor 300 Jahren ist die Burg zerstört worden. Von der Straße sieht man gut den großen Stein am Fuße des Hügels – er steht zu Ehren des schemaitischen Sieges über das Ordensheer in der Schlacht bei Durben 1260. Der Stein ist aus Schemaitien (Litauen) hergebracht und zum 750.Jahrestag der Schlacht aufgestellt.

Museum

Wenn Sie vom Burgberg zur Stadt gehen, kommen Sie am Museumvorbei. Es ist das erneuerte ehemalige Doktorat ( Raiņa iela 17). Hier wurde 1887 der erste Außenminister  der Repulik Lettland Meierovics geboren, der große Verdienste für die internationale Anerkennung Lettlands hatte.  Im Museum sind archeologische Funde, Bücher berühmter Durbener (unter ihnen deutscher Pastoren), die Volkstracht von Durbe, alte Gebrauchsgegenstände.

Vom Museum kommen Sie direkt auf die Raiņa iela (Straße), hier führte in der Geschichte der wichtige Weg von Preussen nach Riga und Livland. Zu Zeiten des Herzogtums Kurland und später des Russischen Reiches wurde sie die Mitausche Straße genannt, kurze Zeit war sie Liepājas Straße und in den dreißiger Jahren trug sie den Namen Meierovics. Um diese Straße ist der Flecken Durben gewachsen, hier lebten Handwerker, Gastwirte, hier waren Schmieden, Werkstätten, Läden, Krüge.

 

die evangelische Kirche

In einigen Minuten erreicht man das Zentrum. Hier erhebt sich das älteste Gebäude der Stadt – die evangelische Kirche, erbaut 1651. Der Platz  vor der Kirche ist der Beginn der Skolas iela (Schulstraße). Es lohnt sich, die Kirche zu besichtigen, weil die Innenausstattung im Laufe der Zeit gut erhaltengeblieben ist: Altar und Kanzel mit Holzschnitzereien aus dem 18.Jahrhundert, ein eindrucksvoller Kronleuchter aus dem Jahr 1609, ein altes Taufbecken, Fußbodenkacheln aus Ton.

Springershe Schule

Neben der Kirche befindet sich die ehemalige Springersche Schule. Der aus Preussen eingewanderte Springer war der Lehrer von Atis Kronvalds, der später selbst als Lehrer in diesem Gebäude Konferenzen für Bildung in lettischer Sprache organisierte. Vor dem Gebäude ist sein Denkmal 1987 aufgestellt worden. Zur Zeit wird das Gebäude von der Gemeindeverwaltung genutzt.

Wenn wir in die Skolas iela einbiegen, gehen wir an einem alten Obstgarten vorbei

(das  ist ein Teil von dem Garten des berühmten Gärtners Klewers,) und kommen zur alten Schule, die 1912 erbaut wurde und bis 1979 als Schule diente. Hier ist die Postabteilung. Etwas weiter ist das Kulturhaus, ein Gebäude aus den 6oger Jahren.

das Kulturhaus

Atis Kronvalds Mittelschule Durbe

Am Kulturhaus biegen Sie links ein und kommen zur Atis Kronvalds MittelschuleDurbe, erbaut 1979.

alten Schule

An der Schule kommen Sie wieder auf die Raiņa iela Richtung Zentrum. Das Haus Raiņa iela 38 wurde von den Eltern des berühmten Arztes Jēkabs Alksnis gebaut. Das Haus 36 gehörte dem Gärtner Klewers.  In der Grünanlage neben der Kirche steht ein Stein mit dem Wappen Durbes, ein Geschenk der Bildhauerin Mirdza Lukaža. Auf der Rückseite der Steintafel sind zwei Jahreszahlen: 1230 – erste urkundliche Erwähnung von Durbe; 1893 – Durbe erhält das Stadtrecht.

Die Aizputes ielaführt zur Fernverkehrsstraße nach Riga. Das Haus Aizputes iela 5 ist ein altes Gesindehaus des Gutes Ligutten, auch Krug gewesen und Kleindurben genannt. Im Haus ist ein alter Mantelschornstein erhalten.

Das Haus Aizputes iela 5

 

 

 Die Ersterwähnung von Durbe

Durbe ist zum ersten Mal urkundlich 1230 im Vertrag zwischen Balduin von Alna, dem Nuntius des päpstlichen Legaten Otto, und dem kurischen König Lammekin über die Annahme des christlichen Glaubens erwähnt. In der lateinisch verfassten Urkunde sind von Kuren bewohnte Orte genannt, darunter auch Durbe als größeres Gebiet und ist als Durpis bezeichnet.

Text in Latein und in deutscher Übersetzung unter www.herder-institut.de

 

 Der Name Durbe

Der Durbes-See hat den Namen auch für den bewohnten Ort gegeben .  Es gibt mehrere Vermutungen über den Ursprung des Namens: er wird mit dem livischen Wort tūrba (Fisch) verbunden. Eine andere Vermutung geht auf eine alte Bezeichnung für Torf zurück. In Kurland gibt es noch einen anderen Ort mit demselben Namen – Schloss Durben bei Tukums. In der Vergangenheit  ist der Ortsname in Deutsch  Durben  gewesen, aber in der lettischen Umgangssprache wurde die Forn  Dorbe gebraucht. Es ist eine interessante Tatsache, dass es in Baden-Württemberg ein  NV Durbestecher Sauldorf (Durbe -Torf) gibt.

Die Schlacht bei Durben

Der Name von Durbe ist in die Geschichte durch die Schlacht bei Durben am 13.Juli 1260 eingegangen. Im 13.Jahrhundert hatte der Deutsche Orden schon viele livische, selische, kurische und semgallische Gebiete unterworfen und bemühte sich auch Schemaitien zu erobern, das sich erfolgreich wehrte.  Der Deutsche Orden versammelte Kreuzritter aus Livland und Preussen, die eroberten Kuren, Esten und Prussen, sowie die Lehnsleute des dänischen Königs aus Nordestland, um die Schemaiten anzugreifen.  Es war bekannt geworden, dass die Schemaiten ins Land der Kuren eingedrungen waren. Das Ordensheer folgte den Schemaiten und der Zusammenstoß erfolgte am 13.Juli 1260 auf einem Feld am Durbe-Fluss.  (Der Historiker  P.Stepiņš lokalisierte den Ort der Schlacht an der Mündung der Trumpe in den Durbes-See.) Die bedeutendsten Informationen über die Schlacht geben zwei Chroniken: die Livländische Reimchronik, geschrieben 30 Jahre nach der Schlacht, und die Preußische Chronik von Peter von Duisburg, noch 30 Jahre später geschrieben.  Die Chroniken liefern widersprüchliche Beschreibung des Verhaltens der Kuren. Entweder hätten die Kuren das Schlachtfeld verlassen oder sie seien dem Ordensheer in den Rücken gefallen, da die Verbündeten der Kreuzritter nicht einverstanden waren, nach der Schlacht die von den Schemaiten gefangen genommenen Frauen und Kinder den Kuren zurückzugeben. In jedem Falle war das Verhalten der Kuren für den Ausgang der Schlacht entscheidend. 150 Kreuzritter, der Ordensmeister von Hornhusen, der preussische Marschall Bottel und viele Kämpfer waren gefallen. Die Schlacht bei Durben ist eine der bedeutendsten Seiten in der Geschichte der baltischen Völker, in die deutsche Geschichte ist sie als schwere Niederlage des Deutschen Ordens eingegangen.

Nach der Schlacht setzten die Kuren ihren Widerstand fort, die Unruhen in Preussen entfalteten sich zum Krieg, aber Schemaitien wurde so auch nicht erobert.

Die Burg Durben

Die älteste Ordensburg  in der Umgebung im 13.-14.Jahrhundert war Lyndale. Dieser Name ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1253 zu finden, später Oldenburg, Altenburg (lettisch  – Vecpils). Sie muss sich  9 km nordöstlich von Durben befunden haben auf dem ehemaligen Gut Altenburg auf dem linken Ufer des Lahnen-Flusses. Der Name Lyndale als Bezeichnung eines kurischen Gebietes ist aus den Urkunden über die Teilung der Länder zwischen dem Bischof und dem Orden bekannt.  Das letzte Mal findet man in den Urkunden den Namen Lyndale 1371.

Nach der Erbauung der neuen Burg in der Nähe des Sees erhält diese ihren Namen von dem See und dem Fluss. Das bisherige Zentrum hat seine Bedeutung  verloren und sei die alte Burg genannt worden. Es ist unklar, wo sich genau Lyndale befunden hat. Hinter der katholischen Kirche Altenburg befindet sich ein kurischer Burgberg, wo in späteren Zeiten ein Friedhof angelegt wurde. Einige Geschichtsforscher haben dort den Merke-Burgberg gesucht, andere wiederum haben es bezweifelt und vermutet, dass dort Lyndale war.

Zum ersten Mal wird die Burg Durben 1387 urkundlich erwähnt, sie ist die Wirtschaftsburg der goldingenschen Komturei gewesen und befand sich an der wichtigen Straße von Memel nach Livland. Es wird angenommen, dass die Burg zwischen 1371 und 1387 erbaut worden ist. Am 11.November  1371 bekommt der Lehnsmann Winnrich von Rummel die Lehnsdörfer Ilmajen und Okten, aber seine Unterkunft – in Goldingen. In der Regel haben die Lehnsleute im Flecken an der näheren Ordensburg gewohnt. Daraus hat man die Schlussfolgerung gemacht, dass es in Durben keine Burg gewesen ist.

Eine Siedlung an der Burg soll im 15.Jahrhundert gewesen sein. Es gibt Berichte, dass sie 1435 abgebrannt ist. Es ist bekannt, dass es 1451 in Durben eine Kirche gegeben hat, weil  früher das Rigaer Dommuseum eine Glocke mit dieser Jahreszahl beherbergt hat.

Zur Zeit von Herzogtum Kurland blühte das Städtchen auf, in der Burg residierte der vom Herzog ernannte Hauptmann. 1701 griffen die Schweden an, sie plünderten die Burg und das Städtchen.

In einer Beschreibung von 1809 wird berichtet, dass von der Burg nur klägliche Mauerreste übriggeblieben sind. Ein 8,7 m breites Wohngebäude  hat sich längs der nördlichen Mauer erstreckt, die ehemaligen Keller sind heute als Vertiefungen erkennbar. Im Erdgeschoss hat es in der Aussenwand keine Fenster gegeben.

Vom Flecken  zur Stadt Durben

Die Siedlung an der Burg entstand im 15. Jahrhundert, aber die Burg wurde allmählich nur als Speicher für Waren, Getreide und Abgaben genutzt. Davon zeugt eine Urkunde aus dem Jahr 1555. Als Livland nahe dem Zusammenbruch war, verpfändete sein Ordensmeister Gotthard Kettler die Burgen Goldigen, Hasenpoth, Windau und Durben dem polnischen König. In diesen Burgen wurden Garnisone des polnischen Heeres stationiert. Als Herzogtum Kurland entstand, wurde Durben zur Residenz des Hauptmanns. In der Burg war die Garnison des Herzogs stationiert – laut Berichten  aus 1642/43 – Einheiten der Musketiere und Dragoner.

Im ersten schwedisch – polnischen Krieg 1600 -1629 wurde Kurland abwechselnd von polnischen und schwedischen Truppen besetzt. Nach diesem Krieg erlebte das Herzogtum Kurland wirtschaftliche Blütezeit, besonders zur Zeit des Herzogs Jakob (1642 – 1682). Das Aufblühen der Wirtschaft war auch in Durben zu beobachten, hier entstand eine Leinenweberei. Einen Schlag erlebte die Wirtschaft durch den nächsten polnisch – schwedischen Krieg 1655 – 1660, als auch Durben Abgaben als Geld und Naturalien entrichten musste. Im Nordischen Krieg 1700 – 1721 wurde die Burg zerstört und Flecken Durben verkam. Kurland wurde zum Gouvernement des Russischen Reiches.  Die Einwohnerzahl  verringerte sich allmählich von 260 Einwohnern um 1720 bis 130 im Jahr 1843, als in Durben 1 Haus aus Stein und 22 strohgedeckte Häuser aus Holz waren, es gab Kirche, Schule, Glockenhaus, 3 Krüge, Armenhaus. Später wuchs wieder die Einwohnerzahl  von 180 im Jahr 1855 bis 410 im Jahr 1881. Mit dem Wachstum der Stadt Libau wurde die Einwohnerzahl von Durben wieder kleiner – 1897 zählte die Stadt 360 Einwohner. Im 19.Jahrhundert vergrößerte sich der Anteil der Letten : am Anfang des Jahrhunderts waren alle freien Menschen Deutsche, 1863 zählte man schon 60 Letten, aber 1881 gab es schon 180 Letten.

1893 bekamen Durben und noch 16 Flecken in Kurland im Rahmen der Verwaltungsreform im Russischen Reich vereinfachtes Stadtrecht. Am 20.November wählte die Versammlung der Hausbesitzer 12 Bevollmächtigte und 3 Kandidaten. Zum ersten Stadtältesten wurde der Gärtner und Besitzer der Baumschule Simon Klewers gewählt, der am 28.Juni 1894 in der Kirche sein Amtseid leistete.

1929 gab es in Durben eine Postabteilung, Krankenhaus und Arzt, 6-Klassen-Grundschule mit 8 Lehrern, Schul- und Bildungsverein, der das Schulgebäude und die Bibliothek besaß, Freiwillige Feuerwehr und andere Vereine, Kirche, 12 Handlungen, Apotheke, 2 Windmühlen, eine Wollkämmerei, eine Färberei, 3 Schmieden, 1 leder- und 8 holzverarbeitende Werkstätten, 1 mechanische Werkstatt, 10 Gärtnereien u.a.

Mehr Information:

A.Caune, I.Ose „ Latvijas 12.gadsimta beigu – 17.gadsimta vācu piļu leksikons”, Rīga 2004

Karl von Loewis of Menar „Burgen-Lexikon für Alt-Livland”, Riga 1922