Die Ersterwähnung von Durbe

Durbe ist zum ersten Mal urkundlich 1230 im Vertrag zwischen Balduin von Alna, dem Nuntius des päpstlichen Legaten Otto, und dem kurischen König Lammekin über die Annahme des christlichen Glaubens erwähnt. In der lateinisch verfassten Urkunde sind von Kuren bewohnte Orte genannt, darunter auch Durbe als größeres Gebiet und ist als Durpis bezeichnet.

Text in Latein und in deutscher Übersetzung unter www.herder-institut.de

 

 Der Name Durbe

Der Durbes-See hat den Namen auch für den bewohnten Ort gegeben .  Es gibt mehrere Vermutungen über den Ursprung des Namens: er wird mit dem livischen Wort tūrba (Fisch) verbunden. Eine andere Vermutung geht auf eine alte Bezeichnung für Torf zurück. In Kurland gibt es noch einen anderen Ort mit demselben Namen – Schloss Durben bei Tukums. In der Vergangenheit  ist der Ortsname in Deutsch  Durben  gewesen, aber in der lettischen Umgangssprache wurde die Forn  Dorbe gebraucht. Es ist eine interessante Tatsache, dass es in Baden-Württemberg ein  NV Durbestecher Sauldorf (Durbe -Torf) gibt.

Die Schlacht bei Durben

Der Name von Durbe ist in die Geschichte durch die Schlacht bei Durben am 13.Juli 1260 eingegangen. Im 13.Jahrhundert hatte der Deutsche Orden schon viele livische, selische, kurische und semgallische Gebiete unterworfen und bemühte sich auch Schemaitien zu erobern, das sich erfolgreich wehrte.  Der Deutsche Orden versammelte Kreuzritter aus Livland und Preussen, die eroberten Kuren, Esten und Prussen, sowie die Lehnsleute des dänischen Königs aus Nordestland, um die Schemaiten anzugreifen.  Es war bekannt geworden, dass die Schemaiten ins Land der Kuren eingedrungen waren. Das Ordensheer folgte den Schemaiten und der Zusammenstoß erfolgte am 13.Juli 1260 auf einem Feld am Durbe-Fluss.  (Der Historiker  P.Stepiņš lokalisierte den Ort der Schlacht an der Mündung der Trumpe in den Durbes-See.) Die bedeutendsten Informationen über die Schlacht geben zwei Chroniken: die Livländische Reimchronik, geschrieben 30 Jahre nach der Schlacht, und die Preußische Chronik von Peter von Duisburg, noch 30 Jahre später geschrieben.  Die Chroniken liefern widersprüchliche Beschreibung des Verhaltens der Kuren. Entweder hätten die Kuren das Schlachtfeld verlassen oder sie seien dem Ordensheer in den Rücken gefallen, da die Verbündeten der Kreuzritter nicht einverstanden waren, nach der Schlacht die von den Schemaiten gefangen genommenen Frauen und Kinder den Kuren zurückzugeben. In jedem Falle war das Verhalten der Kuren für den Ausgang der Schlacht entscheidend. 150 Kreuzritter, der Ordensmeister von Hornhusen, der preussische Marschall Bottel und viele Kämpfer waren gefallen. Die Schlacht bei Durben ist eine der bedeutendsten Seiten in der Geschichte der baltischen Völker, in die deutsche Geschichte ist sie als schwere Niederlage des Deutschen Ordens eingegangen.

Nach der Schlacht setzten die Kuren ihren Widerstand fort, die Unruhen in Preussen entfalteten sich zum Krieg, aber Schemaitien wurde so auch nicht erobert.

Die Burg Durben

Die älteste Ordensburg  in der Umgebung im 13.-14.Jahrhundert war Lyndale. Dieser Name ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1253 zu finden, später Oldenburg, Altenburg (lettisch  – Vecpils). Sie muss sich  9 km nordöstlich von Durben befunden haben auf dem ehemaligen Gut Altenburg auf dem linken Ufer des Lahnen-Flusses. Der Name Lyndale als Bezeichnung eines kurischen Gebietes ist aus den Urkunden über die Teilung der Länder zwischen dem Bischof und dem Orden bekannt.  Das letzte Mal findet man in den Urkunden den Namen Lyndale 1371.

Nach der Erbauung der neuen Burg in der Nähe des Sees erhält diese ihren Namen von dem See und dem Fluss. Das bisherige Zentrum hat seine Bedeutung  verloren und sei die alte Burg genannt worden. Es ist unklar, wo sich genau Lyndale befunden hat. Hinter der katholischen Kirche Altenburg befindet sich ein kurischer Burgberg, wo in späteren Zeiten ein Friedhof angelegt wurde. Einige Geschichtsforscher haben dort den Merke-Burgberg gesucht, andere wiederum haben es bezweifelt und vermutet, dass dort Lyndale war.

Zum ersten Mal wird die Burg Durben 1387 urkundlich erwähnt, sie ist die Wirtschaftsburg der goldingenschen Komturei gewesen und befand sich an der wichtigen Straße von Memel nach Livland. Es wird angenommen, dass die Burg zwischen 1371 und 1387 erbaut worden ist. Am 11.November  1371 bekommt der Lehnsmann Winnrich von Rummel die Lehnsdörfer Ilmajen und Okten, aber seine Unterkunft – in Goldingen. In der Regel haben die Lehnsleute im Flecken an der näheren Ordensburg gewohnt. Daraus hat man die Schlussfolgerung gemacht, dass es in Durben keine Burg gewesen ist.

Eine Siedlung an der Burg soll im 15.Jahrhundert gewesen sein. Es gibt Berichte, dass sie 1435 abgebrannt ist. Es ist bekannt, dass es 1451 in Durben eine Kirche gegeben hat, weil  früher das Rigaer Dommuseum eine Glocke mit dieser Jahreszahl beherbergt hat.

Zur Zeit von Herzogtum Kurland blühte das Städtchen auf, in der Burg residierte der vom Herzog ernannte Hauptmann. 1701 griffen die Schweden an, sie plünderten die Burg und das Städtchen.

In einer Beschreibung von 1809 wird berichtet, dass von der Burg nur klägliche Mauerreste übriggeblieben sind. Ein 8,7 m breites Wohngebäude  hat sich längs der nördlichen Mauer erstreckt, die ehemaligen Keller sind heute als Vertiefungen erkennbar. Im Erdgeschoss hat es in der Aussenwand keine Fenster gegeben.

Vom Flecken  zur Stadt Durben

Die Siedlung an der Burg entstand im 15. Jahrhundert, aber die Burg wurde allmählich nur als Speicher für Waren, Getreide und Abgaben genutzt. Davon zeugt eine Urkunde aus dem Jahr 1555. Als Livland nahe dem Zusammenbruch war, verpfändete sein Ordensmeister Gotthard Kettler die Burgen Goldigen, Hasenpoth, Windau und Durben dem polnischen König. In diesen Burgen wurden Garnisone des polnischen Heeres stationiert. Als Herzogtum Kurland entstand, wurde Durben zur Residenz des Hauptmanns. In der Burg war die Garnison des Herzogs stationiert – laut Berichten  aus 1642/43 – Einheiten der Musketiere und Dragoner.

Im ersten schwedisch – polnischen Krieg 1600 -1629 wurde Kurland abwechselnd von polnischen und schwedischen Truppen besetzt. Nach diesem Krieg erlebte das Herzogtum Kurland wirtschaftliche Blütezeit, besonders zur Zeit des Herzogs Jakob (1642 – 1682). Das Aufblühen der Wirtschaft war auch in Durben zu beobachten, hier entstand eine Leinenweberei. Einen Schlag erlebte die Wirtschaft durch den nächsten polnisch – schwedischen Krieg 1655 – 1660, als auch Durben Abgaben als Geld und Naturalien entrichten musste. Im Nordischen Krieg 1700 – 1721 wurde die Burg zerstört und Flecken Durben verkam. Kurland wurde zum Gouvernement des Russischen Reiches.  Die Einwohnerzahl  verringerte sich allmählich von 260 Einwohnern um 1720 bis 130 im Jahr 1843, als in Durben 1 Haus aus Stein und 22 strohgedeckte Häuser aus Holz waren, es gab Kirche, Schule, Glockenhaus, 3 Krüge, Armenhaus. Später wuchs wieder die Einwohnerzahl  von 180 im Jahr 1855 bis 410 im Jahr 1881. Mit dem Wachstum der Stadt Libau wurde die Einwohnerzahl von Durben wieder kleiner – 1897 zählte die Stadt 360 Einwohner. Im 19.Jahrhundert vergrößerte sich der Anteil der Letten : am Anfang des Jahrhunderts waren alle freien Menschen Deutsche, 1863 zählte man schon 60 Letten, aber 1881 gab es schon 180 Letten.

1893 bekamen Durben und noch 16 Flecken in Kurland im Rahmen der Verwaltungsreform im Russischen Reich vereinfachtes Stadtrecht. Am 20.November wählte die Versammlung der Hausbesitzer 12 Bevollmächtigte und 3 Kandidaten. Zum ersten Stadtältesten wurde der Gärtner und Besitzer der Baumschule Simon Klewers gewählt, der am 28.Juni 1894 in der Kirche sein Amtseid leistete.

1929 gab es in Durben eine Postabteilung, Krankenhaus und Arzt, 6-Klassen-Grundschule mit 8 Lehrern, Schul- und Bildungsverein, der das Schulgebäude und die Bibliothek besaß, Freiwillige Feuerwehr und andere Vereine, Kirche, 12 Handlungen, Apotheke, 2 Windmühlen, eine Wollkämmerei, eine Färberei, 3 Schmieden, 1 leder- und 8 holzverarbeitende Werkstätten, 1 mechanische Werkstatt, 10 Gärtnereien u.a.

Mehr Information:

A.Caune, I.Ose „ Latvijas 12.gadsimta beigu – 17.gadsimta vācu piļu leksikons”, Rīga 2004

Karl von Loewis of Menar „Burgen-Lexikon für Alt-Livland”, Riga 1922